1. Warum Cyber-Sicherheit auf Reisen wichtig ist
Auf Reisen verändert sich die Art, wie digitale Dienste genutzt werden. Öffentliche Netzwerke, QR-Codes, Ladestationen, eilige Buchungen und Zahlungen sowie Geräte in fremder Umgebung schaffen Gelegenheiten für Diebstahl, Betrug, Überwachung, Schadsoftware und die Übernahme von Konten.
Cyber-Sicherheit bedeutet dabei mehr als Virenschutz oder VPN. Entscheidend sind die Menge mitgeführter Daten, geschützte Benutzerkonten, möglichst sichere Verbindungen, Aufmerksamkeit gegenüber Täuschungsversuchen und ein klarer Plan für den Fall, dass ein Gerät oder Konto nicht mehr vertrauenswürdig ist.
Öffentliches WLAN
Gefälschte oder schlecht geschützte Hotspots können Datenverkehr abfangen, auf bösartige Seiten umleiten oder Zugangsdaten abfragen. Auch ein echtes Hotel-, Flughafen- oder Café-Netz ist als nicht vertrauenswürdig zu behandeln.
Verlust und Diebstahl
Ein gestohlenes Smartphone oder Notebook kann Zugang zu E-Mails, gespeicherten Passwörtern, Authentifizierungscodes, Fotos, Finanz-Apps und Unternehmenssystemen ermöglichen, wenn es nicht stark gesperrt und verschlüsselt ist.
Phishing und Reisescams
Angreifer nutzen Zeitdruck: angebliche Flugänderungen, fehlgeschlagene Hotelzahlungen, Passprobleme, Zustellhinweise oder Sicherheitswarnungen. Solche Nachrichten können zu gefälschten Login-Seiten oder Schadsoftware führen.
Physischer Zugriff
Unbeaufsichtigte Geräte, unbekanntes USB-Zubehör, öffentliche Computer und Geräte außerhalb der eigenen Kontrolle können Daten offenlegen oder manipuliert werden. Behandeln Sie solche Geräte mit besonderer Vorsicht.
2. Vor der Reise: Angriffsfläche reduzieren
Die wirksamsten Maßnahmen werden vor der Abreise umgesetzt: aktualisieren, sichern, verschlüsseln, testen und unnötige Daten entfernen. Auf Geschäftsreisen gelten zusätzlich die Vorgaben der eigenen IT- und Informationssicherheit.
Nur Notwendiges mitnehmen
Jedes Gerät und jede Datei erhöht das Risiko. Prüfen Sie, ob Notebook, Tablet, externe Festplatte, vertrauliche Kundendaten oder ein umfangreiches Offline-Archiv wirklich benötigt werden. Bei Reisen mit erhöhtem Risiko kann ein separates, bereinigtes Reisegerät sinnvoll sein, das nur die benötigten Anwendungen und Daten enthält.
Geräte vorbereiten
- Betriebssystem, Browser, Apps und Sicherheitssoftware vor der Reise vollständig aktualisieren.
- Vollständige Festplattenverschlüsselung, starken Sperrcode und automatische Bildschirmsperre aktivieren.
- Wichtige Daten sicher sichern und die Wiederherstellung prüfen.
- Ortungs-, Fernsperr- und Fernlöschfunktionen aktivieren, soweit verfügbar und zulässig.
- Nicht benötigte Apps, alte Konten, gespeicherte Zahlungsmittel und vertrauliche Dateien entfernen.
- Gerätemodell, Seriennummer und Supportkontakte getrennt vom Gerät dokumentieren.
- Geräte und Datenträger im Handgepäck statt im aufgegebenen Gepäck transportieren.
Konten und Wiederherstellung vorbereiten
Überprüfen Sie für wichtige Konten die Wiederherstellungs-E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Multi-Faktor-Authentifizierung. Klären Sie vorab, ob Ihre Anmeldung im Ausland funktioniert: Kommen SMS-Codes ohne übliche SIM an? Ist die Authenticator-App gesichert? Gibt es im Unternehmen eine Notfallhilfe für Identitäts- oder Zugriffsprobleme?
Cyber-Checkliste vor der Abreise- Alle Geräte aktualisieren, verschlüsseln und sichern.
- Einen Passwortmanager verwenden und wiederverwendete Passwörter durch einzigartige ersetzen.
- Mehrfaktor-Authentifizierung aktivieren; wenn möglich Authenticator-App, Passkey oder Sicherheitsschlüssel nutzen.
- Das freigegebene VPN vor der Reise installieren und testen; einzelne Länder können bestimmte Dienste einschränken.
- IT-/Security-Notfallkontakt sowie Notfallnummern von Bank und Kartenanbieter sicher speichern.
- Bei Bedarf die Bank oder den Kartenanbieter über die Reise informieren.
3. Öffentliches WLAN, Mobilfunk und VPN
Ein VPN kann den Schutz deutlich verbessern, ist aber keine Sicherheitsgarantie. Es verschlüsselt die Verbindung zwischen Gerät und VPN-Dienst. Es macht weder eine gefälschte Website echt noch verhindert es Phishing, Schadsoftware oder schwache Kontosicherheit.
Die sicherste praktikable Verbindung wählen
| Verbindung | Typisches Risiko | Empfohlene Verwendung |
| Mobile Daten / persönlicher Hotspot | Geringere Gefahr durch lokales öffentliches WLAN; Phishing, Schadsoftware und Kontoübernahme bleiben möglich. | Wenn verfügbar, für Banking, Unternehmenssysteme und sensible Aufgaben bevorzugen. |
| Heim- oder Unternehmensnetz | Das Risiko hängt weiterhin von Gerät und Konto ab. | Für sensible Tätigkeiten geeignet, wenn Geräte aktuell und Konten geschützt sind. |
| Hotel-, Flughafen-, Café- oder Veranstaltungs-WLAN | Gefälschte Netzwerke, Manipulation, Captive-Portal-Betrug und lokale Angriffe. | Sensible Tätigkeiten möglichst vermeiden. Netzwerknamen beim Personal bestätigen und erforderlichenfalls freigegebenes VPN verwenden. |
| Öffentlicher oder gemeinsamer Computer | Keylogger, Schadsoftware, gespeicherte Sitzungen und Beobachtung durch Dritte. | Nicht für Banking, Unternehmenssysteme, E-Mail, Passwortänderungen oder andere sensible Konten verwenden. |
Sicheres Verhalten im WLAN
- Beim Personal nach exaktem Netzwerknamen und Login-Verfahren fragen.
- Automatisches Verbinden deaktivieren und öffentliche Netzwerke nach der Nutzung löschen.
- Dateifreigaben, Netzwerkerkennung und AirDrop-ähnliche Funktionen deaktivieren, wenn sie nicht gebraucht werden.
- HTTPS verwenden, aber beachten: Das Schloss-Symbol bestätigt nicht, dass eine Website echt oder ungefährlich ist.
- Sensible Transaktionen in öffentlichem WLAN vermeiden, sofern es eine angemessene Alternative gibt.
VPN sinnvoll einsetzen
Für geschäftliche Tätigkeiten das vom Unternehmen freigegebene VPN verwenden. Es vor der Reise konfigurieren, aktuell halten und prüfen, ob die Verbindung nach Standby oder Netzwechsel wiederhergestellt wird. Unternehmen können ein Always-on- oder Full-Tunnel-VPN verlangen, damit Datenverkehr nicht versehentlich außerhalb des geschützten Tunnels erfolgt. Ein VPN darf nicht zur Umgehung von Gesetzen, Unternehmensrichtlinien oder Dienstbeschränkungen eingesetzt werden.
Weiterführende Informationen: NCSC Niederlande: unterwegs und auf Reisen, UK NCSC: VPN-Guidance und CISA-Tipps zur Cyber-Sicherheit auf Reisen (PDF).
4. Passwörter, Passkeys und Multi-Faktor-Authentifizierung
Viele schwerwiegende Online-Vorfälle beginnen mit gestohlenen, erratenen, wiederverwendeten oder durch Phishing abgegriffenen Zugangsdaten. Ziel ist, dass der Diebstahl eines Passworts allein nicht zu einem umfassenden Kontozugriff führt.
Passwortmanager nutzen
Ein vertrauenswürdiger Passwortmanager ermöglicht lange, einzigartige Passwörter für jedes Konto. Er reduziert Passwortwiederverwendung und kann Phishing erschweren, weil Zugangsdaten üblicherweise nicht auf einer falschen Domain automatisch ausgefüllt werden. Das Passwortmanager-Konto selbst braucht ein langes, einzigartiges Master-Passwort und starke Mehrfaktor-Authentifizierung.
Phishing-resistente Anmeldung bevorzugen
Passkeys und Hardware-Sicherheitsschlüssel bieten meist besseren Schutz vor Phishing als Passwörter oder SMS-Codes. Falls diese nicht verfügbar sind, ist eine Authenticator-App für wichtige Konten häufig besser als SMS. Backup-Codes offline und geschützt aufbewahren, nicht als ungeschützte Notiz auf demselben Gerät.
Phishing erkennen
- Nicht allein wegen Zeitdruck, Angst oder einem angeblichen Rabatt bzw. Refund handeln.
- Keine unerwarteten Links, SMS oder QR-Codes zum Login, Passwort-Reset oder Bezahlen verwenden.
- Fluglinie, Hotel, Bank oder Unternehmens-App direkt öffnen oder die bekannte Adresse selbst eingeben.
- Vollständige Absenderadresse und Domain prüfen; Design und Schloss-Symbol sind kein Echtheitsbeweis.
- Unaufgeforderte MFA-Anfragen nie bestätigen. Wiederholte Anfragen können bedeuten, dass jemand das Passwort bereits kennt.
Wichtig: Wurde ein Passwort auf einer mutmaßlich gefälschten Seite eingegeben, ist es als kompromittiert anzusehen. Ändern Sie es sofort über ein vertrauenswürdiges Gerät und überall dort, wo es erneut verwendet wurde. Prüfen Sie aktive Sitzungen, Weiterleitungen, Wiederherstellungsdaten und Kontoaktivitäten.
5. Geräte- und physischer Schutz
Ein technisch abgesichertes Gerät kann dennoch gefährdet sein, wenn andere Personen physischen Zugriff erhalten. Verschlüsselung und Zugangsschutz müssen mit einfachen Gewohnheiten kombiniert werden: Geräte bei sich behalten, nicht sichtbar liegen lassen und Beobachtung oder Manipulation erschweren.
Geräte im öffentlichen Raum schützen
- Smartphone, Notebook und Taschen immer im Blick behalten; nicht im Fahrzeug, Konferenzraum, Restaurant oder Hotelbereich unbeaufsichtigt lassen.
- Sichtschutzfolien nutzen und den Arbeitsplatz so wählen, dass Dritte möglichst nicht mitlesen können.
- Den Bildschirm sperren, sobald das Gerät auch nur kurz abgelegt wird.
- PINs, Entsperrcodes, Wiederherstellungscodes und Sicherheitstoken niemals weitergeben.
- Bluetooth, NFC und persönlichen Hotspot deaktivieren, wenn sie nicht benötigt werden.
Sicher laden
Eigenes Netzteil und eigenes Kabel oder eine vertrauenswürdige Powerbank verwenden. Unbekannte USB-Ladestationen und USB-Zubehör vermeiden, da sie neben Strom auch eine Datenverbindung herstellen können. Ist eine öffentliche USB-Verbindung unvermeidbar, einen geeigneten Datenblocker verwenden und keine Aufforderungen des angeschlossenen Systems bestätigen.
Reisen mit erhöhtem Risiko oder sensible Arbeit
Bei bestimmten Zielorten, Funktionen oder besonders sensiblen Informationen sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich. Wenn verfügbar, ein bereinigtes Reisegerät nutzen, Daten auf das absolut Nötige begrenzen, freigegebene verschlüsselte Dienste verwenden und Vorgaben zu Grenzen, Kontrollen und Gerätehandling beachten. Wurde ein Gerät durchsucht, beschlagnahmt, unbeaufsichtigt gelassen oder zeigt Manipulationsspuren, ist es als potenziell kompromittiert zu behandeln und vor der Verbindung mit Unternehmensnetzen zu melden.
Die Reisehinweise des Schweizer NCSC empfehlen, nur notwendige Geräte und Informationen mitzunehmen, benötigte sensible Daten zu verschlüsseln sowie öffentliche Netzwerke und Ladepunkte vorsichtig zu nutzen. Auch die Safe-Travels-Hinweise (PDF) raten dazu, Geräte nach möglicher unkontrollierter Untersuchung oder Nutzung als potenziell kompromittiert anzusehen.
6. Was tun, wenn etwas passiert?
Schnelles und ruhiges Melden begrenzt den Schaden. Nicht abwarten, weil unklar ist, ob ein Vorfall schwerwiegend ist. Ein verlorenes Telefon, ein verdächtiger Login, ein Phishing-Klick oder möglicher Schadsoftwarebefall kann bei früher Meldung oft rasch eingedämmt werden.
Bei Verlust oder Diebstahl eines Geräts
- An einen sicheren Ort gehen und bei Bedarf lokale Notrufdienste verständigen.
- Über ein anderes vertrauenswürdiges Gerät das verlorene Gerät orten, sperren oder löschen, sofern dies eingerichtet und freigegeben ist.
- Bei Arbeitsgerät, Arbeitskonto oder Unternehmensdaten unverzüglich IT/Security informieren.
- Mobilfunkanbieter kontaktieren und SIM/eSIM gegebenenfalls sperren lassen.
- Auf einem vertrauenswürdigen Gerät die wichtigsten Passwörter ändern: zuerst E-Mail, Passwortmanager, Banking und Unternehmensidentität.
- Banken oder Kartenanbieter kontaktieren, wenn Zahlungsdaten, Banking-Apps oder Finanzdaten betroffen sein könnten.
- Wenn sinnvoll Anzeige erstatten und die Referenznummer für Versicherung oder Arbeitgeber aufbewahren.
Nach Klick auf einen verdächtigen Link oder Öffnen eines Anhangs
- Interaktion mit der Seite, Datei oder Nachricht sofort beenden und keine weiteren Daten eingeben.
- Bei Schadsoftwareverdacht WLAN, mobile Daten und Kabelnetz trennen. Keine eigenmächtigen komplexen Bereinigungen durchführen.
- Vorfall sofort dem IT-/Security-Team bzw. bei privaten Konten dem jeweiligen Dienstanbieter melden.
- Über ein vertrauenswürdiges Gerät alle auf der verdächtigen Seite eingegebenen Passwörter ändern und aktive Sitzungen widerrufen.
- E-Mail-Weiterleitungen, Wiederherstellungsadressen, Zahlungsdaten und letzte Aktivitäten auf unbefugte Änderungen prüfen.
- Ein Arbeitsgerät erst nach professioneller Prüfung und Freigabe wieder mit Unternehmenssystemen verbinden.
Bei Verdacht auf Kontoübernahme
Warnzeichen sind Login-Hinweise aus unbekannten Orten, nicht selbst angeforderte Passwort-Resets, unerwartete MFA-Anfragen, aus dem eigenen Konto versendete Nachrichten, geänderte Wiederherstellungsdaten oder unbekannte Zahlungen. Die offizielle Kontowiederherstellung über eine bekannte App oder gespeicherte Adresse aufrufen. Zugangsdaten ändern, unbekannte Sitzungen beenden, fremde App-Berechtigungen entfernen, Wiederherstellungswege überprüfen und gegebenenfalls Kontakte warnen.
Bei Problemen mit Karte oder Zahlungskonto
Bank oder Kartenanbieter nur über Nummern in der offiziellen App, auf der physischen Karte oder eine bereits gespeicherte offizielle Nummer kontaktieren. Karte sperren, unberechtigte Umsätze reklamieren und auf anschließende Phishing-Nachrichten achten. Einmalcodes niemals an Anrufer, E-Mail-Absender oder Chat-Nachrichten weitergeben.
Für Geschäftsreisende: Den Vorfall nach der Unternehmensrichtlinie melden, auch wenn das Gerät scheinbar normal funktioniert. Eine mögliche Kompromittierung kann Kolleginnen und Kollegen, Kunden und Unternehmenssysteme betreffen. Bei Phishing-Vorfällen gehören das Isolieren des betroffenen Geräts, die Prüfung von Kontozugriffen und eine kontrollierte Wiederherstellung zu den typischen Reaktionsmaßnahmen.
Weitere Informationen: CISA: Phishing Guidance und CISA-Postkarte zur Phishing-Reaktion (PDF).
7. Nach der Reise: Wiederherstellen, prüfen, überwachen
Nach einer Reise sind Prüfungen besonders wichtig, wenn das Ziel erhöhtes Risiko hatte, öffentliche Netzwerke verwendet wurden, ein Gerät außer Kontrolle war oder mit vertraulichen Informationen gearbeitet wurde. Ziel ist, Auffälligkeiten früh zu erkennen und eine vorübergehende Gefährdung nicht zu einer langfristigen Kompromittierung werden zu lassen.
- Ausstehende Updates installieren und die vorgesehenen Sicherheitsprüfungen auf allen Geräten ausführen.
- Login-Verlauf, aktive Sitzungen, Wiederherstellungsmethoden, E-Mail-Weiterleitungen und verbundene Apps prüfen.
- Passwörter ändern, wenn ein Gerät verloren, kontrolliert, manipuliert oder außerhalb eigener Kontrolle war; wiederverwendete Passwörter sofort ersetzen.
- Bank-, Karten- und Mobilfunkaktivität auf verdächtige Umsätze, Überweisungen oder SIM-Änderungen prüfen.
- Öffentliche WLANs aus gespeicherten Netzwerken entfernen und unnötige Berechtigungen von Reise-Apps oder Websites widerrufen.
- Bei Arbeitsgeräten den internen Rückgabe- oder Prüfprozess befolgen, bevor sie wieder mit sensiblen Systemen verbunden werden.
- Vorfälle und Beinahe-Vorfälle dokumentieren, damit Sicherheitsvorgaben und Reiseprozesse verbessert werden können.
Hinweis: Diese Seite dient der allgemeinen Information und ist keine Rechts-, Technik-, Versicherungs- oder Notfallberatung. Bei unmittelbarer Gefahr lokale Notrufdienste verständigen. Bei einem geschäftlichen Sicherheitsvorfall unverzüglich den vorgesehenen IT-/Security-Notfallkontakt nutzen.